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Vernetzte Funktechnik zum Neugeborenen-Hörscreening - Verlässliche Kontrolle und Behandlung frühkindlicher Hörstörungen

Neugeborenen-Hoerscreening

Bundesweit kommen jährlich ungefähr 2025 Kinder mit behandlungsbedürftigen Hörstörungen zur Welt, davon allein in der nordrhein-westfälischen Region Westfalen-Lippe 210.

Ohne zentrales Nachverfolgen der kontrollbedürftigen Kinder werden 35 bis 50% von ihnen keiner Nachuntersuchung und -behandlung zugeführt – mit irreparablen Folgen. Da ein schwerhöriges Neugeborenes bereits zum Zeitpunkt der Geburt mehrere Monate Hörbahnreifung versäumt hat und da es nur richtig sprechen lernt, wenn es hören kann, ist für eine annähernd regelgerechte Entwicklung dieser Kinder eine Frühversorgung in den ersten sechs Monaten erforderlich.

Auf Initiative der Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Universitätsklinik Münster besteht seit 2007 ein regionaler Verbund von Geburtskliniken und Nachuntersuchungsstellen, der ein qualitätsgesichertes Neugeborenen-Hörscreening aufgebaut und weiterentwickelt hat. Um den vielfältigen technischen und organisatorischen Anforderungen, vor allem im Bereich der Datenübertragung, effizient und konstruktiv begegnen zu können, hat sich das Klinikum mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft erfolgreich beim Wettbewerb „Med in.NRW“ im Rahmen des NRW-EU Ziel2-Programms beworben. Mit einer Fördersumme von 400.000 Euro kann der Verbund nun die Zusammenarbeit zwischen den relevanten Akteuren von Geburtskliniken, Nachuntersuchungsstellen und einer Tracking- beziehungsweise Hörscreening-Zentrale, in der die Daten zusammenfließen, auf eine neue Grundlage stellen, die die Quote nicht-kontrollierter Kinder evident sinken lässt.

Ausgebaut werden müssen dabei konkret die schon erfolgreich begonnene Ausbildung des medizinischen Personals, die Interaktion aller Beteiligten und der Informationsaustausch mit den Eltern sowie nicht zuletzt die technische Ausstattung der Kliniken mit Telekommunikations- und Screeninghardware.

„Die telekommunikative und informationstechnische Ausstattung von Krankenhäusern ist sehr unterschiedlich“, erklärt der Prof. am Zehnhoff-Dinnesen. „Dazu sind die administrativen Zuständigkeiten für die Nutzung dieser Infrastruktur sehr heterogen und unterschiedlich restriktiv“, nennt Sie ein weiteres aktuelles Basisproblem.

Der idealtypische Ablauf des Neugeborenen-Screening sieht vor, dass die Untersuchungsergebnis der Kinder nicht nur in der Klinik gespeichert, sondern auch an eine Trackingzentrale an der Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie übermittelt werden. Mittels Datenbaken werden diese Informationen dort verwaltet. Die Zentrale begleitet nach auffälligem Hörscreening Kinder und Eltern, bis die Hörfähigkeit des Kindes abschließend geklärt ist und die gegebenenfalls notwendige Förderung eingesetzt hat. Im steten Austausch untereinander überwacht die Trackingzentrale, ob kontrollbedürftige Kinder weiter in Kliniken oder den Nachuntersuchungsstellen behandelt werden und tritt im negativen Fall mit den Eltern in Kontakt.

„Im Moment ist dieser Grundablauf sehr arbeitsintensiv und wegen der genannten Hindernisse nicht optimal umzusetzen“, so der organisatorische Leiter der Hörscreening-Zentrale Peter Matulat . Mit den neuen Partnern Path medical, dem Institut für Medizinische Informatik und Biomathematik sowie T-Mobile Deutschland wird sich dies ändern.

„Jetzt können wir die für eine einfache und sichere Datenübertragung zwischen den Geburtskliniken und der Hörscreening-Zentrale notwendige Software samt Übertragungsgeräten auf der Basis von Funktechnologie entwickeln und evaluieren“, erläutert die Peter Matulat die direkte Fördergeldverwendung.

Ziele dabei sind eine verbesserte Screening- und Servicequalität zu erreichen, die Einleitung therapeutischer Maßnahmen für betroffene Kinder  zu beschleunigen und den Einsatzbereich möglichst auch auf ambulante Geburten ausweiten zu können. „Mit der Funktechnik möchten wir deutlich ökonomischer arbeiten und auch die Datensicherheit erhöhen, um den Bestimmungen des Datenschutzes genüge zu leisten.“

Die betroffenen Eltern und Kinder werden es dem Verbund und den Förderern definitiv danken.

Und außerhalb des Landes ist zu hoffen, dass diese Technik aus NRW auch in anderen Regionen auf Interesse und Umsetzungswillen stößt.

 

weiterführende/zusätzliche Infos

Universitätsklinikum Münster

Peter Matulat

Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie

Kardinal-von-Galen-Ring 10

48149 Münster

 

www.hoerscreening-wl.de

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